Zugehörigkeit im Sport: Podiumsdiskussion bei der Kanu-Polo-WM in Duisburg

Wann fühlt man sich im Sport wirklich als Teil einer Gemeinschaft? Und was kann dazu führen, dass genau dieses Gefühl von Zugehörigkeit fehlt?

Mit diesen Fragen durfte ich mich im Rahmen der Kanu-Polo-Weltmeisterschaft in Duisburg beschäftigen. Neben meiner Moderation rund um die Weltmeisterschaft übernahm ich auch die Gesprächsleitung einer besonderen Podiumsdiskussion zum Thema Teilhabe und Diskriminierung im Sport.

Mit dabei waren die iranischen Kanusportler Hediye Kazemi und Saeid Fazloula, Para-Kanusportler Björn Dargent sowie Dajana Pefestorff, Präsidentin des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV). Damit trafen sehr persönliche Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen des Kanusports auf die Perspektive und Verantwortung eines Sportverbandes.

Wann fühlt man sich im Sport wirklich zugehörig?

Im Mittelpunkt unseres Gesprächs stand zunächst ganz bewusst die Frage nach der Zugehörigkeit. Denn Sport kann Menschen unabhängig von Herkunft, körperlichen Voraussetzungen oder persönlichen Lebensgeschichten miteinander verbinden. Gleichzeitig funktioniert diese Gemeinschaft nicht automatisch.

Unsere Gäste berichteten deshalb sowohl über positive Erfahrungen als auch über Situationen, in denen sie Ausgrenzung oder Diskriminierung erlebt haben. Dabei ging es nicht nur um offensichtliche Vorfälle. Manchmal sind es gerade die vermeintlich kleinen Dinge, die darüber entscheiden, ob sich jemand willkommen und als selbstverständlicher Teil einer Mannschaft, eines Vereins oder eines Verbandes fühlt.

Persönliche Verantwortung und die Rolle der Verbände

Mit Dajana Pefestorff konnten wir den Blick zugleich auf die Strukturen des organisierten Sports richten. Denn Vereine können vor Ort viel bewegen – gleichzeitig sind auch die Verbände gefragt, Rahmenbedingungen zu schaffen, Orientierung zu geben und ihre Vereine bei Themen wie Vielfalt, Inklusion und dem Umgang mit Diskriminierung zu unterstützen.

Genau diese unterschiedlichen Perspektiven machten die Runde für mich besonders interessant: Was können Verbände leisten? Was brauchen Vereine? Und was kann jeder Einzelne im Sportalltag tun?

Dabei wurde deutlich, dass Teilhabe nicht allein durch Leitbilder oder Konzepte entsteht. Entscheidend ist, ob sie im täglichen Miteinander tatsächlich gelebt wird.

Was können Vereine konkret tun?

Wo bestehen noch Barrieren? Was ist vielleicht gut gemeint, funktioniert in der Praxis aber nicht? Und vor allem: Was können Sportvereine konkret verändern?

Nicht jeder Verein muss dafür sofort ein umfangreiches Konzept entwickeln. Zuhören, nachfragen, aufmerksam sein, Menschen einbeziehen und einschreiten, wenn andere ausgegrenzt werden – vieles beginnt mit Haltung und dem Verhalten jedes Einzelnen.

Gleichzeitig braucht Teilhabe auch Strukturen. Dazu können beispielsweise klare Ansprechpersonen, Schulungen für Verantwortliche, barrierefreie Sportstätten und verbindliche Regeln für den Umgang miteinander gehören.

Oder anders formuliert: Das beste Konzept hilft wenig, wenn es im Vereinsalltag nicht gelebt wird.

Persönliche Geschichten statt abstrakter Diskussion

Für mich als Moderator war es eine besondere Gesprächsrunde. Bei einem sensiblen Thema wie Diskriminierung geht es nicht darum, möglichst schnell einen vorbereiteten Fragenkatalog abzuarbeiten. Es geht ums Zuhören, Nachfragen und manchmal auch darum, einen Moment einfach stehen zu lassen.

Die unterschiedlichen Perspektiven von Hediye Kazemi, Saeid Fazloula, Björn Dargent und Dajana Pefestorff haben gezeigt, wie vielschichtig das Thema Zugehörigkeit im Sport ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Veränderungen nicht immer mit den ganz großen Maßnahmen beginnen müssen.

Manchmal beginnt es mit einer Frage. Mit Zuhören. Mit Aufmerksamkeit. Oder mit einer kleinen Geste, die einem anderen Menschen signalisiert: Du gehörst dazu.

Eine spannende, persönliche und für mich sehr wertvolle Podiumsdiskussion im Rahmen der Kanu-Polo-Weltmeisterschaft in Duisburg. Vielen Dank an Hediye Kazemi, Saeid Fazloula, Björn Dargent und Dajana Pefestorff für ihre Offenheit, ihre unterschiedlichen Perspektiven und den intensiven Austausch.

Moderator für Sport, Wirtschaft und gesellschaftliche Themen

Axel Tillmanns ist Moderator, Stadionsprecher und Radiokommentator aus Nordrhein-Westfalen. Als Veranstaltungsmoderator begleitet er Sportveranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Kongresse und Events und führt dabei auch durch Gesprächsrunden zu gesellschaftlichen Themen wie Teilhabe, Vielfalt und Inklusion.